Oder wie manche Menschen alte Muster aktivieren können. Am Wochenende haben mein Partner und ich einen Ausflug gemacht. Am Nachmittag wollten wir in einem Selbstbedienungscafé mit lauschigem Plätzchen am Fluss Kaffee und Kuchen haben. Allerbester Laune, ein wunderbares Wochenende lag hinter uns. Wir stellten uns mit all den anderen Menschen in der Schlange an und warteten geduldig. Als ich an der Reihe war, von einer jungen Mitarbeiterin bedient zu werden, fragte ich, was in dem Kuchen sei, der vor ihr lag. Quark, sagte sie und wirkte nicht, als wolle sie mehr dazu sagen. Ich fragte, ob es auch Kuchen ohne Quark gebe und sie sagte nichts. Sah mich nur an. Mit verschlossenem Gesicht. Keine weitere Reaktion. Ich erstarrte. Konnte mir keinen Kuchen mehr aussuchen, mich nicht von der Stelle bewegen.
Die Frau erinnerte mich stark an meine Mutter
„Dann nehme ich so ein Schokocroissant“, war das einzige, was mein Kopf zustande brachte, mein Mund aussprach und zeigte in die Richtung. Ich wusste, dass ich kein Schokocroissant möchte. Sie nahm ein Croissant ohne Schoko und legte es auf einen Teller. Das wollte ich schon zweimal nicht und mein gesamtes System war immer noch nicht bereit, sich zu rühren.
Ich wartete ab, bis mein Partner seine Bestellung aufgegeben und erhalten hatte und trottete hinter ihm zu einem schönen Platz. Durchatmen. Was war passiert? Zum Glück hörte mein Partner zu, als ich aussprach, was in mir vorgegangen war. So konnte ich bemerken, dass das ausdruckslose Gesicht der jungen Frau mich stark an meine Mutter erinnerte, als ich noch ganz klein war. Sie litt unter schweren Depressionen und hatte oft ein verschlossenes, flaches Gesicht, in dem ich nicht lesen konnte. Ich wusste nur, dass diese Verschlossenheit für mich Gefahr signalisierte.
Diese Menschen sind schlecht für mich
Meine Empfindungen über Menschen in diesem Moment mitteilen zu können und von meinem Partner gesehen und wahrgenommen zu werden, hat gutgetan. Dabei wollte ich es in diesem Moment belassen und den restlichen Tag genießen. Ich konnte meine Gedanken beobachten und wusste, dass ich sie bei nächster Gelegenheit aufschreiben und überprüfen würde.
Am nächsten Morgen war Raum dafür. Ein Gedanke hatte besonders viel Ladung: Sie ist schlecht für mich. Und da ich in letzter Zeit noch zwei weitere Begegnungen dieser Art hatte, machte ich daraus „Die Menschen sind schlecht für mich.“
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Bild von Stephanie Albert, Pixabay