Neulich bei einer Radtour: Sie stellen eine Bedrohung dar. Oder doch nicht?

Der Verstand produziert den ganzen Tag Gedanken. Meist sind sie eine Wiederholung der Vergangenheit und gaukeln uns immer mal wieder eine Bedrohung vor, wo vielleicht keine ist.

Neulich war ich mit meinem Rad am Ufer des hiesigen Flusses unterwegs. In der Ferne sah ich drei junge Leute nebeneinander gehend auf mich zukommen. Für die drei und mich war so nicht genug Platz. Beim Näherkommen bemerkte ich, dass alle drei während des Gehens jeweils in ihr Handy vertieft waren. Keiner davon schien mich zu bemerken.

Ich verspürte ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit

Ich drosselte mein Tempo und rollte langsam auf die drei zu. Die junge Frau, die mir am nächsten war, blickte erstaunt auf, machte einen Schritt zur Seite und wendete sich sofort wieder ihrem Handy zu. Da stand ich schon fast. Ich hatte den Gedanken „Wir werden alle zugrunde gehen“ und verspürte ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Zu Hause angekommen, setzte ich mich erst einmal hin und schrieb meine Gedanken zu dieser Situation auf. „Die bekommen nichts von ihrer Umgebung mit“, „Die gefährden sich, mich und andere.“, „Wir als Menschheit sind verloren, wenn wir so durch die Gegend laufen.“ Und da war er, der Gedanke, der die meiste Ladung hatte: „Sie stellen eine Bedrohung für mich dar.“

Ein Lebensgefühl, das besagt, dass Menschen gefährlich sind

Diesen Gedanken konnte ich wunderbar mit The Work überprüfen. In der Frage 3 „Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?“ tauchten sehr schnell Bilder aus meiner Kindheit auf. Eltern, die mich nicht sehen, die ein ganz eigenes Verständnis davon haben, was es bedeutet, fürsorglich mit ihren Kindern umzugehen. Die die Bedürfnisse und Ängste ihrer Kinder nicht bemerken und sie infolge auch nicht erfüllen und nicht regulieren können. Ich fühlte mich in Unsicherheit und bedroht.

Und so scheint sich ein tiefer Glaubenssatz etabliert zu haben, ein Lebensgefühl, das besagt, dass Menschen gefährlich, nicht zuverlässig, nicht vertrauenswürdig sind. Dass die Welt gefährlich und das Leben riskant ist.

Die Gegenwart kann neu bewertet werden

Diese frühkindlichen Prägungen, die bei häufiger Wiederholung wie in meinem Fall zu einem Bindungs- und Entwicklungstrauma führen können, können mit The Work betrachtet, überprüft und die Gegenwart kann neu bewertet werden. Für sensible Themen dieser Art, macht es Sinn, sich mit The Work von einer erfahrenen und zugewandten Person begleiten zu lassen.

In der Frage 4 „Wer oder was bist du ohne den Gedanken ‚Sie stellen eine Bedrohung für mich dar.‘?“ kann ich in der jetzigen Situation bemerken, dass ich kein Kind mehr bin, nicht abhängig vom Verhalten dieser Menschen und dass in dieser konkreten Situation keine Gefahr für mich bestand. Und: dass ich, im Gegensatz zu meiner Kindheit, jetzt Handlungsspielraum habe.

Stelle ich eine Bedrohung für mich dar?

Bei den Umkehrungen erreichte mich die Umkehrung zu mir selbst am meisten: „Ich stelle eine Bedrohung für mich dar.“ Meine negativen Gedanken, Ängste aus einer längst vergangenen Zeit, lassen mich die alte Pein ständig wiederholen. Wenn ich sie nicht überprüfe, sondern weiterhin glaube, könnte mir das großen Schaden zufügen, indem ich ein Leben im Kamp- oder Fluchtmodus lebe.

Sollten mir wieder einmal Menschen begegnen, die mich, nicht wahrnehmen, kann ich bemerken, dass keine Gefahr besteht und ich ausreichend Handlungsspielraum habe. Das Überleben der Menschheit wäre vorerst gesichert.

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Bild von Mabel Amber, Pixabay